dub-domain-verification=c7e774f0-eff0-40da-a7a2-22a7edfd75a8
top of page
Suche

Custom GPT erstellen: So entwickelst du deinen eigenen KI-Assistenten

  • Autorenbild: Harriet Moser
    Harriet Moser
  • 19. Okt. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Juli

Ein Custom GPT ist kein Hexenwerk. Aber ein generisches Antwort-Tool auf Zuruf reicht für die meisten Unternehmen nicht mehr. In diesem Guide zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du einen spezialisierten KI-Assistenten baust, der ein wiederkehrendes Problem tatsächlich löst. Als Praxisbeispiel nehme ich einen Kundenservice-GPT, weil das der Anwendungsfall ist, an dem sich die meisten KMU zuerst versuchen.


Was ist ein CustomGPT?

Custom GPTs sind personalisierte Versionen von ChatGPT, die OpenAI im November 2023 eingeführt hat. Du gibst ihnen einen Namen, definierst ihre Instructions, lädst spezifisches Wissen hoch und legst fest, welche Tools sie nutzen dürfen, etwa Websuche, Bildgenerierung oder Datenanalyse (OpenAI, 2023). Der Unterschied zum normalen Chat: Ein Custom GPT merkt sich seine Rolle, sein Fachwissen und seinen Ton, ohne dass du das bei jedem Gespräch neu erklären musst (OpenAI, n.d.-c).


Aus diesem einfachen Prinzip ist inzwischen ein ernstzunehmendes Business-Werkzeug geworden. Laut OpenAIs erstem "State of Enterprise AI"-Report ist die wöchentliche Nutzung von Custom GPTs und Projects im Jahr 2025 um rund das 19-Fache gestiegen, und sie machen mittlerweile etwa 20 Prozent aller Enterprise-Nachrichten aus. Die spanische Grossbank BBVA betreibt allein über 4000 eigene GPTs (OpenAI, 2025). Auch in der Schweiz zieht die Nutzung an: Der Anteil der KMU, die KI-Tools einsetzen, stieg zwischen 2024 und 2025 von 22 auf 34 Prozent, und Kundenbeziehungsmanagement gehört zu den Bereichen mit spürbarem Zuwachs (AXA Schweiz, 2025).


CustomGPT: Warum Kundenservice ein guter Einstieg ist

Ein Custom GPT lohnt sich dort, wo du dieselbe Art von Anfrage regelmässig bearbeitest und dabei jedes Mal denselben Kontext neu lieferst (OpenAI, n.d.-c). Kundenservice ist dafür das Lehrbuchbeispiel. Ein Praxisbeispiel aus der Schweizer KMU-Beratung zeigt das gut: In einem Betrieb mit drei Mitarbeitenden entfielen von rund 80 wöchentlichen Support-Mails etwa 40 Prozent auf immer dieselben fünf Fragen, zu Lieferzeiten, Rückgaben, Zahlungsarten, Produktverfügbarkeit und Abholoption (Massive Mind, 2026). Genau diese Art von Wiederholung ist der Anwendungsfall, für den sich ein Custom GPT rechnet, nicht der kreative Einzelfall.


Andere typische Anwendungsfelder für Custom GPTs sind Content-Erstellung in deiner Tonalität, Datenanalyse mit deinen KPIs, eine interne Wissensdatenbank für dein Team oder didaktisch aufbereitete Bildungsinhalte. Der Kundenservice-Fall eignet sich als Einstieg besonders gut, weil Erfolg dort messbar ist: weniger Rückfragen, kürzere Antwortzeiten, entlastete Mitarbeitende.


Praxisbeispiel: Ein Kundenservice-GPT Schritt für Schritt

Nehmen wir an, du betreibst einen kleinen Onlineshop und willst die immer gleichen Fragen zu Versand, Rückgabe und Zahlung nicht mehr jedes Mal von Hand beantworten. Der Plan: ein Custom GPT, das du per Link teilst, etwa auf der Kontaktseite oder in der Bestellbestätigung, damit Kundschaft dort direkt fragt statt eine E-Mail zu schreiben. So gehst du vor.

  1. Zugang verschaffen. Du brauchst einen ChatGPT Plus-, Team- oder Enterprise-Account. Navigiere zu "Explore GPTs" und wähle "Create", um den GPT-Builder zu öffnen (OpenAI, n.d.-a).

  2. GPT erstellen.  Im Builder siehst du zwei Reiter: "Create" ist der Dialog-Modus, in dem du in eigenen Worten beschreibst, was dein GPT tun soll, und ChatGPT daraus einen ersten Entwurf baut, etwa "Erstelle mir einen Assistenten, der Fragen zu Versand, Rückgabe und Zahlung für meinen Onlineshop beantwortet". "Configure" ist die manuelle Ansicht, in der du Name, Beschreibung, Instructions und Wissensbasis direkt einträgst. Für einen Kundenservice-GPT lohnt sich der Wechsel zu "Configure", sobald der erste Entwurf steht, weil du dort präziser steuern kannst als im Dialog (OpenAI, n.d.-a).

  3. Namen und Beschreibung festlegen. Der Name sollte sofort klar machen, was dein GPT tut. "Support-Assistent Musterversand" ist präziser als "Kundenservice-Bot" und hilft Nutzenden, das Tool sofort einzuordnen (OpenAI, n.d.-a).

  4. Instructions formulieren, das Herzstück. Hier definierst du Rolle, Aufgabe, Tonalität und Grenzen so präzise wie möglich. Für einen Kundenservice-GPT gehören dazu: eine klare Rollendefinition ("Du beantwortest Fragen zu Versand, Rückgabe und Zahlung für [Shopname]"), der erlaubte Tonfall, was das GPT explizit nicht tun soll (zum Beispiel keine Rabatte versprechen oder Bestellungen stornieren), und eine klare Eskalationsregel: Bei allem, was über die hinterlegten Standardfragen hinausgeht oder emotional wird, verweist das GPT an eine echte Ansprechperson (OpenAI, n.d.-b).

  5. Wissensbasis aufbauen. Lade die Dokumente hoch, auf die dein GPT zugreifen soll, etwa deine Versandbedingungen, die Rückgaberichtlinie und eine FAQ-Liste. Wichtig: Wissen ist Nachschlagematerial, nicht Verhaltensregel. Ton und Vorgehen gehören in die Instructions, nicht in die hochgeladenen Dateien (OpenAI, n.d.-a).

  6. Conversation Starters setzen. Beispielfragen wie "Wo bleibt meine Bestellung?" oder "Wie funktioniert die Rückgabe?" zeigen sofort, wofür das GPT gedacht ist, und erleichtern den Einstieg.

  7. Fähigkeiten bewusst einschränken. Aktiviere nur, was du wirklich brauchst. Für einen Kundenservice-GPT mit Kundendaten ist es meist sinnvoller, Websuche und Bilderstellung auszuschalten, statt alles standardmässig anzulassen.

  8. Testen, bevor Kundschaft es sieht. Schreibe zehn bis fünfzehn realistische Testfragen inklusive der richtigen Antworten und prüfe, ob dein GPT sie zuverlässig beantwortet. Erst danach nachschärfen und live schalten (OpenAI, n.d.-c).


Mehrere ChatGPT-Classic-Fenster zeigen das Erstellen eines Custom GPT; rot markiert sind Create und Configure, Name und Beschreibung.

Datenschutz nicht vergessen

Sobald ein Custom GPT mit Kundendaten arbeitet, ist das kein rein technisches Projekt mehr. Aktuell hat nur etwa ein Drittel der Schweizer KMU klare interne Regeln, welche Daten Mitarbeitende überhaupt in KI-Tools eingeben dürfen, bei Kleinstfirmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden sind es sogar nur 23 Prozent (AXA Schweiz, 2025).


Für einen Kundenservice-GPT heisst das konkret: Kundschaft sollte wissen, dass sie mit einem Bot spricht, du solltest dokumentieren, wo Support-Daten gespeichert werden, und bei US-Anbietern in der Regel eine Auftragsverarbeitungsvereinbarung abschliessen (Massive Mind, 2026). Ich bin keine Juristin. Wenn dein GPT mit sensiblen oder grösseren Mengen an Kundendaten arbeitet, lohnt sich eine kurze Abklärung mit einer juristischen Fachperson für Datenschutz, bevor du live gehst.


Häufige Fehler

Aus der Arbeit mit mehreren Custom GPTs haben sich ein paar wiederkehrende Stolpersteine gezeigt:

  • Zu vage Instruktionen. "Sei freundlich und hilfsbereit" reicht nicht. Definiere konkret, wie eine gute Antwort aussieht.

  • Überladene Wissensbasis. Mehr Dateien sind nicht automatisch besser. Zu grosse oder widersprüchliche Dokumente verwirren das GPT eher, als dass sie helfen.

  • Keine klare Eskalationsregel. Ohne definierten Übergabepunkt an einen Menschen beantwortet das GPT irgendwann Fragen, die es nicht beantworten sollte.

  • Pflege wird vergessen. Ein GPT, dessen Wissensbasis niemand nachführt, gibt veraltete Antworten mit voller Überzeugung. Rechne mit laufendem Pflegeaufwand für Nachschärfen und Aktualisieren, realistisch sind das einige Stunden pro Monat (digital M., 2026).


Meine Einschätzung

Für mich ist das der eigentliche Punkt an einem Kundenservice-GPT: Es geht nicht darum, den Menschen aus dem Kontakt herauszunehmen, sondern die repetitiven 40 Prozent der Anfragen den Zeitaufwand abzunehmen,, damit für die kniffligen, emotionalen oder verkaufsrelevanten Fälle wieder Zeit da ist. Die KI übernimmt das Wiederholbare, der Mensch bleibt für alles zuständig, was Urteilsvermögen und echten Kontakt braucht.


Was du konkret tun kannst

  1. Starte mit einem eng abgegrenzten Anwendungsfall, nicht mit "ein GPT für alles".

  2. Formuliere die Instructions konkret: Rolle, Tonalität, klare Grenzen, eine Eskalationsregel an einen Menschen.

  3. Halte die Wissensbasis schlank, aktuell und plane den laufenden Pflegeaufwand von Anfang an ein.

  4. Kläre Transparenzpflicht und Datenspeicherung, bevor Kundschaft mit dem GPT in Kontakt kommt.

  5. Teste mit realistischen Fragen, bevor du das GPT live schaltest.


Über die Autorin

Harriet Moser ist KI-Expertin mit Fokus auf Branding und Gründerin von Ask Harriet, einer KI-Trainingsberatung mit Sitz in der Schweiz. Im Rahmen ihrer Masterarbeit entwickelte sie das AI Brand Strategy Framework zur Integration künstlicher Intelligenz über fünf Ebenen der Markenführung. Sie ist spezialisiert darauf, Unternehmen sowie Privatpersonen dabei zu unterstützen, KI systematisch, ethisch und effektiv zu nutzen.


Für weitere Informationen: www.askharriet.ch | LinkedIn: linkedin.com/in/harriet-moser


Quellenangaben

AXA Schweiz. (2025, 8. Oktober). AXA KMU-Arbeitsmarktstudie: Künstliche Intelligenz erobert Schweizer KMU. https://www.axa.ch/de/ueber-axa/medien/medienmitteilungen/aktuelle-medienmitteilungen/2025/20251008-kmu-arbeitsmarktstudie-2025-ki.html

digital M. (2026, Juli). KI-Chatbots für KMU: Anbieter, Kosten und was sie wirklich können. https://digitalm.ch/wissen/guides/ki-chatbots-kmu/

Massive Mind. (2026, 18. März). KI im Kundensupport für KMU: Realistischer Einstieg. https://massivemind.ch/en/blog/ki-kundensupport-kmu

OpenAI. (2023, 6. November). Introducing GPTs. https://openai.com/index/introducing-gpts/

OpenAI. (2024, 10. Januar). Introducing the GPT Store. https://openai.com/index/introducing-the-gpt-store/

OpenAI. (2025, 8. Dezember). The state of enterprise AI | 2025 report. https://openai.com/business/guides-and-resources/the-state-of-enterprise-ai-2025-report/

OpenAI. (n.d.-a). Creating and editing GPTs. OpenAI Help Center. Abgerufen am 12. Juli 2026, von https://help.openai.com/en/articles/8554397-creating-and-editing-gpts

OpenAI. (n.d.-b). Key guidelines for writing instructions for custom GPTs. OpenAI Help Center. Abgerufen am 12. Juli 2026, von https://help.openai.com/en/articles/9358033-key-guidelines-for-writing-instructions-for-custom-gpts

OpenAI. (n.d.-c). Using custom GPTs. OpenAI Academy. Abgerufen am 12. Juli 2026, von https://openai.com/academy/custom-gpts/


Ein blauer Vogel vor einem Bildschirm mit einem Custom GPT - Ask Harriet

 
 
bottom of page