KI-Nutzung Schweiz 2025: 43% nutzen KI – doch Desinformation steigt
- Harriet Moser

- 8. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Dez. 2025
Neue Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen: Fast die Hälfte der Schweizer Bevölkerung nutzt bereits generative KI. Doch mit der KI-Nutzung wächst auch ein Problem – Desinformation, Phishing und Hassrede nehmen rasant zu.
Die Zahlen sind beeindruckend: 43 Prozent der Schweizer Bevölkerung zwischen 15 und 88 Jahren haben bereits generative KI genutzt – also Tools wie ChatGPT, die Texte, Bilder oder andere Inhalte erstellen. Das sind 3,2 Millionen Menschen.
Noch bemerkenswerter ist die Nutzungsintensität: 36 Prozent der KI-Nutzenden greifen täglich auf diese Tools zurück, weitere 34 Prozent mindestens einmal pro Woche. Bedenkt man, dass ChatGPT erst seit drei Jahren öffentlich verfügbar ist, zeigt das eine rasante Adoption.
Der digitale Graben vertieft sich
Doch die KI-Nutzung ist nicht gleichmässig verteilt. Die Studie offenbart eine deutliche digitale Kluft:
79% der 15-24-Jährigen nutzen KI
28% der 55-64-Jährigen nutzen KI
63% der Hochschulabsolventen nutzen KI
17% ohne nachobligatorische Ausbildung nutzen KI
Ein interessantes Detail: Bei den unter 30-Jährigen gibt es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede in der KI-Nutzung. Erst bei älteren Generationen nutzen Männer KI häufiger als Frauen.
Die höchste Nutzungsquote findet sich im Bildungsbereich: 75 Prozent an Schulen und Hochschulen. Das zeigt, wo die Zukunft bereits Gegenwart ist.
Warum die Hälfte noch nicht dabei ist
57 Prozent der Bevölkerung nutzen keine generative KI. Die Gründe sind aufschlussreich:
Ein Drittel sieht schlicht keinen Nutzen
7% haben Datenschutz- und Sicherheitsbedenken
Nur 7% nennen mangelnde Kompetenzen
Nur 2% kennen keine KI-Tools
Die Mehrheit hält KI also für relativ einfach anwendbar – sie sehen einfach (noch) keinen Mehrwert für sich. Das ist eine Chance für alle, die KI-Kompetenz vermitteln: Es geht weniger um technische Schulung, mehr um praktischen Nutzen.

Die Schattenseite: Desinformation auf dem Vormarsch
Hier wird es besorgniserregend. Die Studie zeigt einen klaren Trend nach oben – in die falsche Richtung:
Fragwürdige Inhalte
58 Prozent der Bevölkerung gaben an, online auf Inhalte gestossen zu sein, die sie für falsch oder fragwürdig hielten. 2021 waren es noch 45 Prozent, 2023 bereits 51 Prozent. Der Aufwärtstrend ist ungebrochen.
Besonders betroffen: Junge Menschen unter 30 Jahren (68%) und Nutzende sozialer Medien (67%).
Phishing und Betrug
61 Prozent erhielten in den drei Monaten vor der Befragung betrügerische Nachrichten – ein Anstieg von 51 Prozent in 2023. Das entspricht 4,4 Millionen Menschen.
Noch alarmierender: Die Zahl der Personen mit finanziellen Verlusten durch Online-Betrug hat sich zwischen 2021 und 2025 verdoppelt – von 1,7 auf 3,4 Prozent. Das sind 250'000 Menschen.
Hassrede
42 Prozent der Bevölkerung wurden mit feindseligen oder abwertenden Botschaften konfrontiert – ein Anstieg von 4,5 Prozentpunkten. Besonders stark zugenommen haben Hassbotschaften zu politischen Meinungen, Religion und fremdenfeindliche Inhalte.
Das Problem: Wir prüfen nicht nach
Was mich am meisten nachdenklich stimmt: Nur etwa die Hälfte der Menschen überprüft, ob die Inhalte, auf die sie online stossen, wahr sind.
Von denen, die nicht prüfen, glauben 38 Prozent, sie könnten Falschinformationen ohnehin erkennen. Doch 15 Prozent geben ehrlich zu: Sie wissen nicht, wie sie Inhalte überprüfen sollen.
In einer Welt, in der KI täuschend echte Texte, Bilder und bald auch Videos erstellen kann, ist das ein Problem.
Was das für die KI-Bildung bedeutet
Diese Zahlen zeigen: KI-Kompetenz ist mehr als die Fähigkeit, einen Prompt zu schreiben.
Sie umfasst:
Kritisches Denken: Ergebnisse hinterfragen, Quellen prüfen
Medienkompetenz: Deepfakes und manipulierte Inhalte erkennen
Verantwortung: Wissen, dass KI-generierte Inhalte Desinformation sein können
Sicherheitsbewusstsein: Phishing erkennen, Daten schützen
Das ist der Grund, warum ich bei meinen Workshops auf einen Human-First-Ansatz setze. KI ist ein mächtiges Werkzeug – aber die Verantwortung für seinen Einsatz liegt bei uns Menschen.
KI-Nutzung Schweiz: Begeisterung braucht Besonnenheit
Die KI-Nutzung in der Schweiz ist auf einem guten Weg. Die Zahlen zeigen echte Begeisterung und breite Nutzung. Doch mit dieser Macht kommt Verantwortung.
Die Frage ist nicht mehr, ob wir KI nutzen. Die Frage ist: Nutzen wir sie klug?
Das bedeutet: Ergebnisse hinterfragen. Quellen prüfen. Kritisch bleiben. Und anderen helfen, diese Kompetenzen zu entwickeln – besonders jenen, die noch am Rand der digitalen Kluft stehen.
Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS), Erhebung zur Internetnutzung 2025, veröffentlicht am 5. Dezember 2025




