KI und Markenschutz: Warum ich keine fremden Logos in KI-Bildern verwende
- Harriet Moser

- 11. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Dez. 2025
Ich arbeite täglich mit generativen KI-Tools wie Midjourney, ChatGPT und anderen Bildgenerierungssystemen. Eine Frage, die mir oft gestellt wird: "Warum verwendest du keine bekannten Marken oder Promis in deinen KI-Bildern – das würde doch so professionell aussehen?"
Meine Antwort ist eindeutig: Aus Respekt vor geistigem Eigentum und Rechtssicherheit für meine Kund:innen.
Das Problem liegt tiefer als du denkst
Generative KI-Systeme werden auf Milliarden von Bildern trainiert – viele davon urheberrechtlich geschützt. Wenn du ein KI-Tool aufforderst, ein Bild "im Stil von Pixar" zu erstellen oder ein Logo zu generieren, kann das Tool versehentlich geschützte Elemente reproduzieren.
Und hier wird es kritisch: Bei Markenverletzungen spielt deine Absicht keine Rolle. Selbst wenn die KI unbeabsichtigt ein geschütztes Logo nachahmt, kannst du haftbar gemacht werden. Das unterscheidet Markenrecht vom Urheberrecht – wo unabhängige Schöpfung noch ein Argument sein könnte.
Rechtslage: Nicht neu, nur einfacher zu verletzen
Vorab die wichtige Klarstellung: Ich bin keine Juristin. Aber meine Recherchen zeigen klar: Der Schutz geistigen Eigentums ist keine Erfindung der KI-Ära. Schon lange vor generativer KI wurde gegen Plagiate, Markenrechtsverletzungen und unbefugte Nutzung vorgegangen.
Das Internet vergisst nichts – und Rechteinhaber auch nicht
Wer glaubt, dass KI eine neue Dimension der Rechtsverfolgung eröffnet, sollte sich an die Vergangenheit erinnern:
Getty Images und andere Bildagenturen durchsuchen seit Jahren systematisch das Internet nach unbefugter Nutzung ihrer Bilder – mit Reverse Image Search, Crawlern und automatisierter Abmahnung. Wer ein lizenziertes Bild ohne Genehmigung verwendet, erhält oft eine saftige Rechnung.
Das Prinzip war immer dasselbe:
Jemand nutzt geschütztes Material ohne Lizenz
Der Rechteinhaber entdeckt es (manuell oder automatisiert)
Es folgt eine Abmahnung oder Klage
Was sich mit KI ändert:
Die Wahrscheinlichkeit unbeabsichtigter Verletzung steigt dramatisch
Die Nachvollziehbarkeit wird schwieriger ("Hat die KI das kopiert?")
Die Rechtslage ist noch unklar (aber entwickelt sich schnell)
Konkrete Beispiele aus der KI-Ära:
Getty Images vs. Stability AI (2023): Getty verklagte Stability AI, weil das Modell mit ihren geschützten Bildern trainiert wurde – und sogar Getty-Wasserzeichen in generierten Bildern auftauchten
Disney, NBCUniversal, Warner Bros. vs. Midjourney (2025): Die Studios bezeichneten Midjourney als "bottomless pit of plagiarism" und verklagten das Tool wegen Training mit geschützten Charakteren
KI macht das Problem nicht neu – sie macht es nur einfacher, versehentlich in die Falle zu tappen.
Deshalb mein Ansatz: Warum das Risiko eingehen, wenn ich von Anfang an auf eigene, originale Markenelemente setzen kann?
Was (aktuell) in der Schweiz gilt:
Nur menschliche Schöpfungen geniessen Urheberrechtsschutz (Art. 2 URG)
Rein KI-generierte Inhalte ohne menschliche Schöpfungshöhe sind wahrscheinlich nicht geschützt
ABER: Wenn KI geschützte Inhalte aus Trainingsdaten übernimmt, bleiben diese weiterhin geschützt
Die Nutzung kann eine Urheberrechtsverletzung darstellen, selbst wenn unbeabsichtigt
Die drei grossen Risikobereiche
Logos und Marken Ein KI-generiertes Logo könnte versehentlich dem Nike-Swoosh ähneln oder Disney-artige Charaktere enthalten. Das Risiko: Markenrechtsverletzung, Verwässerung (Dilution) berühmter Marken, oder falsche Produktempfehlung.
Öffentliche Personen und Promis Das Persönlichkeitsrecht schützt jede Person – und das "Right of Publicity" (v.a. in den USA) gibt Prominenten die Kontrolle über kommerzielle Nutzung ihrer Identität. Präzedenzfälle wie Midler v. Ford Motor Co. (1988) oder der Fall um den verstorbenen George Carlin (2024) zeigen: Die Gerichte nehmen das ernst.
Geschützte Kunstwerke und Stile "Im Stil von..." ist gefährlich. Auch wenn du nicht den Namen nennst, kann die erkennbare Nachahmung eines geschützten Stils rechtliche Probleme verursachen.
Mein Ansatz: Klare Grenzen als Wettbewerbsvorteil
Deshalb habe ich mich für einen klaren, rechtssicheren Weg entschieden:
✅ Keine fremden Logos – nur eigene Markenelemente
✅ Keine fremden Marken – originale visuelle Identitäten
✅ Keine Promis oder öffentliche Personen – Respekt vor Persönlichkeitsrechten
✅ Transparenz – ehrlich über KI-Nutzung
Rechtssicherheit auch strukturell: Die GmbH-Gründung
Diese rechtlichen Überlegungen haben mich nicht nur in meiner täglichen Arbeit geprägt, sondern auch bei der Unternehmensstruktur. Ich habe Ask Harriet als GmbH gegründet – eine bewusste Entscheidung aus Haftungsgründen.
Warum? Die rechtliche Landschaft rund um KI entwickelt sich so rasant, dass selbst mit grösster Sorgfalt Unsicherheiten bleiben. Eine GmbH bietet:
Beschränkte Haftung: Das Gesellschaftsvermögen haftet, nicht mein Privatvermögen
Professionelle Signalwirkung: Zeigt Kunden, dass ich das Geschäft ernst nehme
Rechtliche Klarheit: Saubere Trennung zwischen Geschäft und Privatleben
Zukunftssicherheit: Auch wenn neue Urteile oder Gesetze kommen
In einem Bereich, wo sich die Rechtslage monatlich weiterentwickelt, ist diese strukturelle Absicherung für mich nicht nur kaufmännisch sinnvoll – sie ist Teil meiner Verantwortung gegenüber mir selbst und meinen Kunden.
Das ist keine Einschränkung – es ist eine professionelle Selbstverpflichtung. Kunden, die mit mir arbeiten, erhalten:
Rechtssicherheit: Keine Sorgen über potenzielle Klagen
Originalität: Einzigartige visuelle Identitäten, keine Nachahmungen
Authentizität: Marken, die auf eigenen Werten basieren
Zukunftssicherheit: Inhalte, die auch bei sich ändernder Rechtslage bestehen
Was die Zukunft bringt
Die rechtliche Landschaft entwickelt sich rasant. Ich erwarte in den nächsten Jahren:
Weitere Gerichtsurteile zu KI-Training und Urheberrecht
Neue Gesetzgebung auf EU- und nationaler Ebene (AI Act-Umsetzung)
Standardisierung von Lizenzen für KI-Trainingsdaten
Umfassende internationale Regelwerke für KI und geistiges Eigentum
Fazit: Human First bedeutet Respekt
Human First – das Kernprinzip meines Business (HI + AI = ROI) – bedeutet auch, menschliche Kreativität und Rechte zu respektieren - und entsprechend KI-Markenschutz zu praktizieren. Die Prinzipien, die schon vor KI galten, bleiben gültig: Plagiate, Markenklau und unbefugte Nutzung fremder Identitäten waren schon immer illegal.
Was sich geändert hat? Nur wie einfach es geworden ist, unbeabsichtigt zu verletzen. Deshalb ist ein klarer, ethischer Ansatz nicht nur rechtlich geboten – er ist auch geschäftlich sinnvoll.
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Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar. Für konkrete rechtliche Fragen konsultiere bitte eine qualifizierte Rechtsberatung.




